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2011
Gaukler, Prügelbalken und Brettchenweberei
Mittelalterlicher Weihnachtsmarkt
VonBritta Eichner-Ramm
Nein, schwer sei der Vogel nicht gewesen, sagt der zehnjährige Felix Walgenbach. Gerade noch hielt er den etwa 2,4 Kilogramm schweren Europäischen Uhu namens Artemis auf dem Arm und streichelte vorsichtig über dessen Gefieder. Falknerin Tatjana Schmücker präsentierte elf Greifvögel im Schlosshof zu Berlepsch, wo am Wochenende ein mittelalterlicher Weihnachtsmarkt viele Besucher anlockte.
Witzenhausen. Ab März kommenden Jahres werde sie regelmäßig einmal pro Monat eine Flugshow auf Schloss Berlepsch zeigen, kündigte sie an. Doch zunächst war sie mit ihren Vögeln Teil eines Programms, bei dem die kleinen Besucher ebenso auf ihre Kosten kamen wie die Großen.
Während die Erwachsenen Gauklersprüchen und Minnesang lauschten oder sich um die Verpflegungs- und Verkaufsbuden scharten, war für die Kinder Bewegung oder Basteln angesagt. Mit den eigens gekauften Holzschwertern fochten zum Beispiel der sechsjährige Luca und sein vierjähriger Bruder Ben aus der Rhön vor den Augen ihrer Mutter einen Ritterkampf aus. Gleich nebenan erklommen Paul Bestian und Phabio Freiboth aus Göttingen den Prügelbalken und maßen ihre Kräfte.
Schließlich gaben Heike Ostwald und Jörg Köster aus Göttingen den Besuchern gerne Auskunft über ihr Hobby, die Brettchenweberei. An ihrem Webstuhl demonstrierten sie die alte mittelalterliche Technik, bei der das Muster durch die Farben der Kettfäden und die Drehfrequenz entsteht.
Vegesack. Gilbert setzt die Flasche an den Mund, gurgelt einen Moment und spukt in die Luft. Eine meterhohe Flamme schießt in die Höhe. Vorbeiziehende Besucher beobachten neugierig und verblüfft die Darbietungen des Gauklers und Zauberers Gilbert. Zusammen mit rund 20 anderen Darstellern wird er beim Mittelaltermarkt im Einkaufszentrum Haven Höövt bis zum 9. Oktober die Gäste änstigen, belustigen und irritieren.
Gilbert, der extra aus seiner Heimat Paris angereist ist, nimmt schon seit 43 Jahren an Mittelaltermärkten teil und sei dem Veranstalter zufolge sogar schon in der Carnegie Hall in New York City aufgetreten. In Vegesack will er mit ungewöhnlichen Darbietungen überzeugen. "Am liebsten konserviere ich Pupse und verheize sie dann", witzelt er und erklärt, wie er so tut, als würde er pupsen und das entstandene Methangas entflammt "Das finden die Leute immer beeindruckend", freut sich Gilbert.
Neben Zauberei gibt es im Einkaufszentrum für spielbegeisterte, neugierige Kinder und Erwachsene viel zu sehen und auszuprobieren. Bei Heino, dem Bötticher, können Kinder Miniatur-Fässer selber bauen, beim Steinschleifer Specksteine bearbeiten und dem Lederer zuschauen, wie aus einer Kuhhaut eine Tasche wird. Ganz besonders soll die Greifvogelshow am 4. Oktober werden, so Helmut Steinbock, der Organisator des Marktes: "Da werden verschiedene Greifvögel durch den Glasturm fliegen. Das geht nur, weil unsere Falknerin eine so intensive Beziehung zu den Tieren hat." Auch Gilbert hat eine gute Beziehung zu seinen Tieren. In jahrelanger Arbeit habe er seinen Floh dressiert, der mittlerweile schon 105 Jahre alt ist.
Fresekenmarkt lädt zum Erlebniseinkauf nach Neheim
Neheim. Der 32. Fresekenmarkt zog am Wochenende wieder tausende von Menschen in die Neheimer Innenstadt. Bei sommerlichem Bilderbuchwetter kamen sie zum großen „Shoppen unter freien Himmel“.
Schon am Samstagmorgen war die Stadt stark frequentiert. Doch der Sonntag übertraf wieder alle Erwartungen der Kaufleute. Bis zum späten Nachmittag war dichtes Gedränge in den Einkaufsstraßen. Die sonnigen und schattigen Plätze der Eiscafés waren durchweg besetzt.
Ein wesentlicher Höhepunkt war die Greifvogel- schau der Falknerin Tatjana Schmücker. Sie klärte die Zuschauer über das Jagdverhalten der Greifvögel auf. Falken, Bussarde, Eulen und Waldkauz hatte sie mit nach Neheim gebracht. In drei Aufführungen zeigte sie, wie die Vögel ihre Beute jagen und greifen. Schleiereule „Jerry“ und die sibirische Uhu-Dame „Kari“ besuchten die Zuschauer. Sie durften die Tiere mal auf ihren Arm tragen. So auch Leon und Jonas Krick. Beide erst ein wenig zögerlich, aber dann doch sehr mutig hielten sie „Jerry“ auf ihren Arm. Die zehnjährige Chiara Giudice war sehr mutig und hielt die 4,2 Kilogramm schwere Uhu-Dame auf ihren Arm. „Es war ein schönes Gefühl, so ein stolzes Tier ganz nah bei sich zu haben. Und ich durfte es streicheln“, schwärmt Chiara. Natürlich hatte sie einen dicken Lederhandschuh an, damit sie von den scharfen Krallen der Vögel nicht verletzt wurde.
Schmücker zeigte ein ganz seltenes Eulen-Exemplar, den Milchuhu (auch Blassuhu genannt). Sie ist die einzige Falknerin in Deutschland, die diese Eulenart in ihrer Greifvogel-Show zeigt.
Für die Kinder hatte das „Aktive Neheim“ wieder viel Unterhaltung gesorgt. Beim Rodeo-Reiten auf der Tiger-Ente, Rutsche und Hüpfburg konnten sie sich austoben. Unter den Arkaden reihte sich der Kindertrödelmarkt.
Musik begleitete die Besucher vom Bexleypatz bis zum Marktplatz. Auf der Hauptstraße standen über 50 Händler und boten ihre Waren an. Citymanager Konrad Buchheister vom Aktiven Neheim war sehr zufrieden: „Natürlich hat auch das Das gute Wetter mit viel dazu beigetragen.“
Mit einem Bauernmarkt, Handwerksvorführungen und vielen Mitmachaktionen feiert das Freilichtmuseum am ersten Oktoberwochenende sein Herbstfest. Das Highlight am Samstagnachmittag sind die drei Flugschauen der sieben gefiederten Beutegreifer der Falknerin Tatjana Schmücker. Unser Foto zeigt sie mit dem Sibirischen Uhu Kari. Am Sonntag geht es tierisch weiter, denn dann lernen die Besucher die Dülmener Wildpferde näher kennen.
Brilon-Totallokal: Böllerschüsse zum Start des mittelalterlichen Markttreibens
brilon-totallokal: Am Schlagbaum, der Eingang zum historischen Markt in Madfeld, wurde heute um 14 Uhr das historische Markttreiben durch laute Böllerschüsse eröffnet. Ortsvorsteher Heinz Bickmann begrüßte die vielen Besucher aus nah und fern. Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Brilon Horst Weidtkamp gratulierte den Madfeldern im Namen des Rates und der Bürger der Stadt Brilon zur 1000-jährigen Geschichte.
Der Schirmherr der Veranstaltung, Baron Josef Freiherr von Twickel ließ es sich trotz des heimischen Brauereifestes mit Hopfenernte nicht nehmen, den Markt in Madfeld zu eröffnen. Neben den Madfelder Bürgerinnen und Bürgern und vielen Gästen nahmen auch der Geschäftsführer der BWT Brilon Wirtschaft und Tourismus Rüdiger Strenger mit seiner Gattin sowie Ratsherr Willi Kitzhöfer an der feierlichen Eröffnung teil.
Die Bewohner und Vereine des Ortes haben einiges auf die Beine gestellt und verwandelten Madfeld in ein Dorf wie vor 1000 Jahren.
Neben alten Handwerkskünsten und Geräten gibt es auch die alten landwirtschaftlichen Maschinen und Gerätschaften zu bewundern, die das harte Landleben in der damaligen Zeit verdeutlichen. Neben alten Autos, LKW’s und Traktoren zeigt auch der Forst seine Gerätschaften von früher bis heute. Die Feuerwehr ist ebenfalls mit altem Löschgeräten und Fahrzeugen auf dem Markt vertreten.
Ein Falkner begeistert die Zuschauer mit seinen Vorführungen ebenso wie das vielfältige Programm für Groß und Klein auf der Veranstaltungsbühne und dem gesamten Markt. Die Waschfrauen, Marketenderinnen und Landsknechte sowie die mittelalterliche Marktmusik fehlen ebenso wenig wie Met, hausgemachte Liköre, das gute Westheimer und Speisen nach alten Rezepten.
Der historische Markt in Madfeld ist ein Besuch wert und noch bis einschließlich Sonntag, den 18. September, geöffnet.
Zum 10. Wallauer Ackerfest kamen am Sonntag mehr als 1.200 Gäste auf einen Acker an den Ortsrand des Biedenkopfer Stadtteils Wallau. Das Motto das Tages lautete „Jagd“.
von Salomé Weber
Wallau. „Wer glaubt, dass Eulen nachtaktiv sind?“, fragte Falknerin Tatjana Schmücker aus Bad Wünnenberg während einer von drei Flugschauen beim Ackerfest in Wallau.
Einige Zuschauer meldeten sich, aber die meisten schauten fragend in die Runde und hofften auf eine schnelle Antwort der Greifvogelexpertin. Und die folgte auch prompt: „Eulen sind dämmerungs- und tagaktiv.
Sie können am Tag, aber auch in der Nacht jagen, denn sie sehen besser als die Menschen“, erklärte die Expertin und fügte hinzu: „Dass Eulen nicht ausschließlich nachtaktiv sind, lässt sich daran erkennen, dass sie ihre Küken alle zwei bis drei Stunden füttern. Das bedeutet, dass die Elterntiere gezwungen sind, auch tagsüber zu jagen.“
Außerdem seien in den skandinavischen Ländern, in denen es im Sommer an manchen Tagen nie dunkel wird, auch noch nie Eulen vor Hunger vom Baum gefallen, witzelte Schmücker.
Die Falknerin war mit zwölf Tieren angereist, darunter Falken, Bussarde, Eulen und einen Steinadler. Zum Thema „Jagd“ passte auch der Auftritt der Jagdhornbläser. „Viele Jäger interessieren sich für das Jagdhornblasen, trauen sich aber nie, es auszuprobieren“, sagte Dieter Sinner, Sprecher der Musiker.
Er selbst sei bei einer Jubiläumsfeier von einem Freund überredet worden, das Instrument zu spielen und habe seitdem eine Leidenschaft entwickelt, die ihn nicht mehr loslasse, berichtete er.
Jochen Meier aus Breidenstein spannte seine Kaltblüter vor einen etwa 61 Jahre alten Pflug und zeigte, wie man damals ohne die Kraft von Motoren einen Acker pflügte. Seine zwei Pferde sind „Percherons“. Diese Pferderasse stammt aus der „Perche“, einer Landschaft im Norden Frankreichs.
In den Tieren fließt außer spanischem auch das Blut von Araberpferden. Optisch sind die Kaltblüter besonders schön, da es sich um Rappen handelt. Gezüchtet werden sie selten. Für Meier sind seine beiden Zugtiere einzigartig, „weil sie so ein ruhiges und gelassenes Gemüt haben, das im Gegensatz zu meinem Temperament steht“, sagt er.
Heusenstamm - „Und jetzt, Volk von Heusenstamm, erbitte ich einen Beifall!“ Der mittelalterliche Straßenkünstler hat schnell sein Publikum gefunden. Für das Apfelwettessen mit Kindern schon gar.
Von Claudia Bechthold
Wer würde nicht den Wettstreit aufnehmen wollen, wenn es gilt einen halben Apfel schneller zu essen als der Gaukler, der einen ganzen Apfel essen muss und dabei auch noch jongliert. Ein kleines Mädchen im Prinzessinen-Kleidchen schafft es, und erhält eine (moderne) Süßigkeit als Preis. Am Sonntag findet der Mittelaltermarkt auf den Heusenstammer Schlosswiesen sein Publikum. Im Gegensatz zum Samstag, als kräftige Schauer immer wieder die Besucher vertrieben haben.
Der Künstler im bunten Kostüm mit Schellen am Knöchel wünscht sich von den Zuschauern einen „Feuerdrachen im Taschenformat“. Denn jetzt will er mit brennenden Stäben jonglieren. Zu den „Ohs“ und „Ahs“ muss er die Menschen, die ihm staunend zusehen, anfangs noch auffordern, aber dann erhält er doch noch unaufgefordert den verdienten Beifall.
Zehn Schritte weiter erläutert ein geduldiger Handwerker, wie früher Wappen in Leder „punziert“ wurden. Aufmerksam hören ihm zwei ebenfalls mittelalterlich gekleidete Besucher zu und bewundern, was er soeben in das Lederstück geprägt hat. Erstaunlich viele Menschen sind dem Angebot gefolgt, nur halb so viel Eintritt bezahlen zu müssen, wenn sie mittelalterlich gekleidet sind. Am nächsten Stand kann man Ocarinas, kleine dickbauchige Flöten aus Ton, ausprobieren und kaufen. Oder Schmuck aus farbigen Steinen. Sogar Augengläser werden angeboten. Und verschiedene Salze zum Würzen.
In einem riesigen hölzernen Zuber liegt ein Ritter, der es sich gut gehen lässt. Und sogar der gefürchtete Schwarze Ritter schaut vorbei. Seine 35 Kilogramm schwere Kopfbedeckung aus Ketten trägt er allerdings lieber unter dem Arm. Es ist in der Sonne einfach zu warm. Und bis zu seinem nächsten Auftritt hat er noch ein wenig Zeit. Inzwischen ist das kleine „Riesenrad“, ein Original-Nachbau, das während des Gaukler-Auftritts geruht hat, wieder in Gang gesetzt. Kinder genießen die handbetriebene Fahrt, Erwachsene trauen sich, trotz Aufforderung, eher nicht in die recht klein wirkenden hölzernen Kisten, in denen man die Rundfahrt machen soll.
Im hinteren Teil des Mittelaltermarktes zieht ein Streichelzoo voller kleiner Hunde immer wieder Kinder an. Kläffend jagen die Vierbeiner immer wieder durch ihr Gehege, wenn sich neue Zuschauer nähern. Nebenan ertönt hin und wieder ein lauter Ruf. Ansonsten lässt die Greifvögel der Falknerei der Rummel um sie herum völlig ungerührt. Vor allem die Uhus sorgen für Aufsehen.
Wer genug hat vom mittelalterlichen Treiben, der wechselt in die Schlossallee. Während die Band vom „Son Of A Preacherman“ berichtet, lassen es sich die Besucher gut gehen bei Hähnchen-Curry, Flammkuchen oder Schnitzelstreifen mit selbst gemachter Grüner Soße, bei einer Limonade, einem Bierchen oder einem der verschiedenen Cocktails, die angeboten werden.
Auch die Wirte der sieben Heusenstammer Lokale sind nicht ganz zufrieden mit dem Geschäft. Das Wetter hat den erwarteten Besucherstrom am Freitag und am Samstag ausbleiben lassen. Jetzt, am Sonntagmittag , läuft es recht gut.
Spectaculum in Neuenbürg: Lebendiger Eindruck vom Mittelalter
Das Festprogramm blieb von den Regenfluten weitgehend verschont.
Jede Menge geboten war im Schlossgarten bei der nunmehr achten Auflage des Spectaculums der Spielleute und Landsknechte Neuenbürg. Die Gäste tauchten ein in eine prall gefüllte Mittelalter-Welt voller Geräusche und Gerüche. Gaukler, Axtwerfer, Märchenerzähler, Schwertkämpfer, Stelzenläufer und Feuerspeier, Handwerker wie Seifensieder, Schmied oder Korbflechter boten einen Blickfang. Lederwaren und Schmuck wurden feilgeboten. Und über allem lag der Holzfeuer-Rauch, der auch von den Lagern der Ritter- und Mittelaltergruppen wie Tuath-Deas aufstieg, die germanisches Lagerleben zeigten.
Falknerin Tatjana Schmücker ließ Eule Kari vor faszinierten Zuschauern ihre beeindruckende Flügelspannweite entfalten. Magier Shri Magada aß vor verblüfften Kindern Baumwolle, „um nie fett zu werden“, und Jongleure fanden sich spontan auf der Wiese zur Vorführung ihrer Künste zusammen. Auf der Bühne unterhielt das Theater Narrenfrey in bunten Kostümen, untermalt von Trommelwirbeln der Gruppe Adictum, das Publikum mit der Wahl des „Mister Mittelalter“.
Während im kulinarischen Bereich die „Sau am Spieß“ brutzelte, Paradiesvögel in schillernden Gewändern an der Taverne verweilten und junge Mittelalter-Fans mit neu erworbenen Schilden und Kutten Hanf-Fladen verspeisten. Einen weiten Weg hatten die Besucher teilweise auf sich genommen, wie einige der Edelleute von Montfort vom Bodensee, die – in feinem Tuch, versteht sich – die Atmosphäre im Schlossgarten lobten.
Guter Dinge war Karin Bernd vom organisierenden Neuenbürger Verein. Viel Arbeit aber auch viel Spaß hatten die Vorbereitungen des Spektakels gebracht: „Aber wenn es mal läuft, ist es ein Selbstläufer. Wir haben auch dieses Jahr neue Höhepunkte dabei.“ Etwa ein Duo, das extra aus Paris zur Unterstützung der Feuershow angereist war. Glücklicherweise setzte das „Himmelsspektakel“ mit kräftigem Regen am Samstag erst nach den Vorführungen ein und auch am Sonntag konnte der Markt ohne größere Wasserschäden fortgeführt werden. Winnie Gegenheimer
Mehr als 30.000 Besucher feiern beim Sparrenburgfest
Mittelalter von seiner schönen Seite
VON ANDREAS ZOBE (FOTOS) UND MARIUS GIESSMANN (TEXT)
Bielefeld. Mit unsicherem Grinsen erduldet Brian Martin aus Detmold die ersten Stockschläge auf Brust und Rücken. "Tut gar nicht weh", kommentiert er zögerlich. Mulmig wirds ihm dann aber doch, als sich Manfred Ahrens und Dirk Zelmer mit Schwert und Handsense an der 40 Kilogramm schweren Rüstung zu schaffen machen, die sie dem Festbesucher angezogen haben. Die Umstehenden sind begeistert: Das Sparrenburgfest ist mehr als Essen und Trinken in uriger Atmosphäre – es ist Mittelalter zum Anfassen.
Dazu trug das gewohnt bunte Programm der Aktionsgruppe "Kramer, Zunft und Kurtzweyl" aus Katzwinkel bei Koblenz bei, mit der Veranstalter Bielefeld Marketing seit Jahren erfolgreich zusammenarbeitet. Auf zwei Bühnen und einem Turnierplatz konnten Besucher von Freitagmittag bis Sonntagabend Gauklerspiele, feurige Jonglageeinlagen und Ritterkämpfe bestaunen, außerdem zeigte die Falknerin Tatjana Schmücker aus Bad Wünnenberg, wie im Mittelalter mit Hilfe von Greifvögeln gejagt wurde.
Für fünf Euro Wegzoll bekamen die mehr als 30.000 Besucher aus ganz Ostwestfalen-Lippe eine wilde Mixtur von Eindrücken aus dem 10. bis 15. Jahrhundert geboten. An Handwerksständen wurde gezeigt, wie beschwerlich aber auch filigran die tägliche Arbeit von Korbmachern, Spinnerinnen oder Schmieden damals war. Zusätzlich bevölkerten mehr als 50 detailgetreu verkleidete Akteure zweier Heerlager das Gelände, die an den Festtagen dort campierten und so mittelalterliches Lebens hautnah vermittelten.
"Kanonen waren mit der zehnfachen Menge geladen"
Zu ihnen gehörten neben der Wikinger-Sippe "Hying-Blacka" aus Bielefeld-Senne auch eine Gruppe von Bogenschützen und Kanonieren aus Belgien und den Niederlanden. Letztere bereicherten die parallel zum Fest stattfindenden Führungen durch die unterirdischen Kasematten, indem sie demonstrierten, wie schlecht die Luft im Gewölbe wurde, sobald nur zehn Gramm Schwarzpulver abgebrannt wurden. "Die Kanonen waren damals allerdings mit der zehnfachen Menge geladen", erklärt Lars Karsten Wille, der sich mit seiner Gruppe am Samstagabend ein zünftiges Festmahl mit einem über offenem Feuer gerösteten Spanferkel und Rotkohl im Schusterrondell gönnte.
Die Besucher labten sich derweil an Mokka und Met, Wein, Datteltee mit Rosenwasser, gefüllten Brotfladen oder Spätzle mit Würsten, die an den Buden auf dem großzügigen Festplatz angeboten wurden. Dort gefiel es den Besuchern blendend, nie herrschte die drückende Enge früherer Jahre, als das Fest noch im Innenhof und auf der Wiese der Burg stattfand. "Das würde heute schon sicherheitsmäßig nicht mehr gehen", erklärte Hans-Rudolf Holtkamp von Bielefeld Marketing. "Und gerade in seiner heutigen Ausprägung am Fuß der Festungsmauern wird an den Festtagen klar, was wir eigentlich an unserer Burg haben."
Das finden auch die Akteure wie der Mindener Manfred Ahrens oder Dirk Zelmer. "Hier haben wir viel mehr Platz, den Reiz unseres Hobbys – den Reiz des Mittelalters zu vermitteln", schwärmt der Jöllenbecker, der wie ein Zeugwart im 13. Jahrhunderts gekleidet ist. Aus der gleichen Zeit stammt die Vorlage für die Rüstungsnachbildung, die Brian Martin zur Freude des Publikums Probe trägt. "Sie besteht aus einer wattierten Jacke, Kettenhemd und auf Leder genieteten Metallplatten", erklärt Zelmer – und beendet das Gespräch abrupt, ums Martin zur Freude des Publikums mit einer Keule auf den Helm zu schlagen.
Uhus, Mäusebussarde und königliche Vögel begeistern beim Falknerfestival im Marstallinnenhof
VON RALF MISCHER
Paderborn-Schloß Neuhaus. Jetzt steht ihm die Welt offen: Mit einer majestätischen Bewegung öffnet Chiko seine Schwingen, bewegt sie auf und ab. Dann gleitet er sanft durch die Luft. In dieser Sekunde könnte er in die Freiheit fliegen. Aber Chiko bleibt hier.
Stattdessen segelt der junge Mäusebussard in das Verkaufszelt eines Händlers auf dem Mittelaltermarkt im Neuhäuser Schlosspark. Zur Freude von Jan (6) aus Büren. Der muss ein wenig darüber schmunzeln, dass der Greifvogel seinen eigenen Kopf durchsetzt und damit das Programm von Falknerin Tatjana Schmücker (33) durcheinander bringt.
Aber gerade darin liegt für die Wünnenbergerin auch die Faszination des Falknerberufs, dem sie seit drei Jahren professionell nachgeht. "Ein Falkner ist ein Mensch, der einem wilden Tier die Freiheit schenkt, in der Hoffnung, dass das Tier zu ihm zurückkommt", beschreibt sie ihre Passion.
Bisher sind ihre Vögel immer wieder zurückgekehrt - so auch auf dem Falknerfestival mit Mittelaltermarkt am Wochenende. Schmücker hat 11 Tiere mitgebracht. Sie sitzen auf Stangen, sind mit Ketten am Boden festgebunden. Langfessel sagt der Falkner dazu. Schmücker: "Das sind Raubvögel. Wären sie nicht festgebunden, würden sie übereinander herfallen." Für Schmücker ist die Falknerei eine Passion, die sie zum Beruf gemacht hat. Das sieht man der 33-Jährigen an. Etwa wenn sie mit dem sibirischen Uhu Kari kuschelt und ihm Wortfetzen in die Ohren murmelt.
Besonders stolz ist die Vogelflüsterin aus dem Aartal bei Bad Wünnenberg auf den weißen Gerfalken Navarr. Im Mittelalter wurden diese Tiere mit Gold aufgewogen. Weiße Gerfalken galten als besonders wertvoll: Sie waren standesgemäße Geschenke für Fürsten und Könige.
Bei vielen Zuschauern ist der Milchkauz "Milky Way"der Favorit. Das Jungtier trägt noch einen weichen Flaum und läuft etwas tapsig durch die Welt. Aber in der Luft ist er schon ein richtiger Raubvogel - flugsicher und pfeilschnell. Trotzdem fliegt das Tier nicht davon. "Eigentlich kommen sie immer wieder zurück - immerhin bekommen sie Futter von mir", berichtet die Falknerin, die in mittelalterlich anmutendes Tuch gehüllt ist.
In solchen Gewandungen gibt es auf dem Mittelaltermarkt allerlei Gestalten zu bestaunen. "Wir verkaufen den Menschen eine Illusion", erklärt Andreas Mätzner (43), der an seinem Stand mittelalterliche Reiterbögen feilbietet. Illusion? Nein, seine Bögen sind echt und man könnte damit auf die Jagd gehen. Die Illusion gibt es stattdessen während des Verkaufs. Fast jeder der 50 Marktleute trägt Oberteile aus Leinen, von deren Enden lange Stofffetzen herunterbaumeln, dazu Schnürschuhe, schlabberige Stoffhosen. Falknerin Schmücker hat sich sogar das Fell eines Fuchses über die Schultern geworfen. Man muss den Besuchern schließlich etwas bieten.
Paula (8) aus Schloß Neuhaus hat sich in den sibirischen Uhu Kari verliebt. Der ist 4,2 Kilo schwer. Der Durchmesser von Flügelspitze zu Flügelspitze beträgt 1,80 Meter. Wenn Kari einen Ausflug macht und die Flügel bewegt, erinnert der dann entstehende Luftstrom an einen startenden Hubschrauber. Damit Kari nicht auf dumme Gedanken kommt, muss die Falknerin das Tier daran erinnern, was sie alles zu bieten hat: Sie hält eine Atzung in die Luft. Hundehalter würden wohl Leckerli dazu sagen, aber als Bezeichnung für das tote Küken klingt das ein wenig euphemistisch. Kari ist jedenfalls schwer begeistert, fliegt vom Zeltdach zurück auf den Lederhandschuh und kommt erst gar nicht auf die Idee, davon zu fliegen. Den Vögeln muss man auch etwas bieten. Dann greift der Vogel Schmücker. "Das ist das Leiden des Falkners", sagt sie. Immer dann, wenn es Beute gibt, benutzen Greifvögel ihre starken Krallen, um sich in der Beute festzukrampfen - oder eben im Falknerhandschuh. Da hilft dann kein gutes Zureden, sondern nur Geduld. Bei Chiko hat das geholfen.
Der Bussard sitzt wieder auf dem Handschuh. Bis zum nächsten Ausflug in die Freiheit. Bei dem macht er eine Zwischenlandung auf einem Fahrradlenker.
Faszinierende Augenblicke und eine Zeitreise ins Mittelalter
Geesthacht (gak) – Das Zeltlager am Menzer Werftplatz mit seinen sauberen, hellen Zelten zauberte eine idealisierte Form des Mittelalters ins Bewusstsein der Zuschauer. So schön könnte es gewesen sein. Allerdings mussten diese zuvor Eintritt bezahlen, um dem Seespektakel beiwohnen zu dürfen. Livemusik auf der Bühne, kulinarische Köstlichkeiten, Ponyreiten und mit einem Pfeil auf eine Scheibe schießen, für spannende Unterhaltung war gesorgt. An den Ständen konnten die Besucher Tücher, Ponchos, Schmuck oder Felle und Decken erwerben. Das kleine Tipi, in dem mittels Tarotkarten in die Zukunft geschaut werden konnte, war ebenso exotisch wie der Barbier, der sofort vor Ort Rasuren vornahm. Drei Frauen trommelten unter der Leitung des charismatischen Trommlers von »Trommelwind « auf dem Boden sitzend rhythmische Melodien.
Dicht gedrängt standen die Geesthachter jedoch um das Lager der Falknerin Tatjana Schmücker. In mittelalterliche Kleidung gewandet zeigte sie die Künste ihrer zehn zahmen Greifvögel, unter anderem ein Wüstenbussard, Wanderfalken und der imponierendste unter ihnen, ein sibirischer Uhu. Tatjana Schmücker erzählte: »Mein Opa war Jäger und als Kind habe ich mir gesagt, wenn ich jemals jage, dann nur mit Vögeln.«
Seit drei Jahren ist sie Berufsfalknerin und zeigt die majestätische Eule: »Der sibirische Uhu hat eine Spannweite von 1,80 Metern und wiegt 4,2 Kilogramm. «
Auf die Frage, ob unsere Mitarbeiterin den Uhu berühren darf, hält sie ihn ihr entgegen. Das Gefieder fühlt sich angenehm weich und strukturiert an. Die bernsteinfarbenen Augen blicken fast hypnotisierend, hell und aufmerksam. Tatjana Schmücker bemerkt den intensiven Blickkontakt und sagt lächelnd: »Diese Augen blicken bis in die Seele.«